Warum ich glaube

Warum gehöre ich zu den Menschen, die an Gott und an seinen Sohn Jesus Christus glauben? Das hat sicherlich etwas zu tun mit meiner Prägung. Gottesdienst und Kindergottesdienst standen in unserer Familie jeden Sonntag auf dem Programm. Die Kinderbibel war das Bilderbuch, das mich am meisten fasziniert hat. Meine Eltern haben mit mir gebetet und auch Kirchenlieder gesungen.

Meine Großeltern haben mir viel darüber erzählt, was sie mit Gott erlebt haben und mein Großvater hat mich immer wieder gesegnet, weil er davon überzeugt war: “An Gottes Segen ist alles gelegen.“ An Gott zu glauben, war für mich selbstverständlich. Natürlich hat sich dieser eher kindliche Glaube mit der Zeit verändert, er ist „erwachsener“ geworden. Das bedeutet auch, dass es Zeiten gegeben hat, in denen es mir schwer gefallen ist zu glauben. Das hatte u.a. damit zu tun, dass sich die „rohe Botschaft“für mich manchmal wie eine Drohbotschaft angehört hat. „Pass auf… denn der Vater in dem Himmel schaut herab auf dich.“ Ich habe mir vorgestellt, dass der Glaube an Gott, der mir eigentlich Halt und Hoffnung geben sollte, irgendwann zu einer Zwangsjacke werden könnte. Deshalb betrachte ich es als ein Geschenk, dass ich bis heute sagen kann: „Ich glaube an Gott.“
Genauer gesagt glaube ich an Jesus, weil ich mir Gott dann besser vorstellen kann.

Gott bekommt durch Jesus für mich eine Stimme, ein Gesicht, Hände und Füße. Er ist einer von uns geworden und hat das Leben und Sterben am eigenen Leibe erfahren. Das macht ihn für mich so glaubhaft.
Wenn Jesus Menschen geheilt hat, die vorher ganz am Ende waren, dann hat er zu ihnen gesagt: „Dein Glaube hat  dir geholfen.“ Das ist für mich ein zentraler Satz. Das bedeutet doch, dass nicht der eingetrichterte, der auswendig gelernte, der nachgeplapperte Glaube, nicht der amtliche Glaube und auch nicht der meiner Vorfahren, sondern nur mein ganz persönlicher Glaube das ist, worauf es wirklich ankommt. Und dieser Glaube entwickelt sich meines Erachtens dann, wenn er auf die Probe gestellt wird und ich mich mit Zweifeln herumschlagen muss.
Jedenfalls entspricht das meiner Erfahrung. Vor einigen Jahren hatte ich eine massive gesundheitliche Krise, die lebensbedrohlich war. Ich wusste nicht, ob und wie mein Leben weiter gehen würde.

In dieser Zeit hat mir jemand eine Postkarte geschickt. Darauf stand ein Vers von Paul Gerhardt:
"Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann."

Ich hatte dieses Lied schon oft gesungen, für die Gitarre bearbeitet, auf CD gebracht und in zahlreichen Gottesdiensten und Konzerten gespielt. Es war mir also sehr vertraut. Und trotzdem, als ich diesen Vers gelesen habe, erschien er mir plötzlich irgendwie fragwüdig. Sollte es mit Gottes Hilfe wirklich einen Weg aus der Krise  geben und würde er ihn mir auch zeigen? Ich konnte es kaum glauben.
Ich habe mich dann aber entschlossen, diesen Vers wörtlich zu nehmen und auf mich zu beziehen. Immer wieder habe ich ihn mir vorgesagt, vorgesungen oder die Melodie auf der Gitarre gespielt. Auch dann, wenn es  nttäuschungen oder Rückschläge gegeben hat. In der Rückschau weiß ich:

Es gab einen Weg für mich, der war ziemlich weit und teilweise auch sehr schwierig. Aber ich kann sagen, mein Glaube an Gott hat mir geholfen, diese Zeit zu überstehen und der Vers von Paul Gerhardt hat mich dabei begleitet und mir immer wieder Mut gemacht, auf Gott zu vertrauen und mich an seiner Verheißung aus Psalm 32 festzuhalten: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“
Spurgeon hat einen Satz geprägt, der mir oft durch den Kopf geht: „Ein kleiner Glaube bringt die Seele in den Himmel, ein großer Glaube bringt den Himmel in die Seele.“

Das sind doch zwei gute Gründe, am Glauben festzuhalten.

Reinhard Börner